Alles für die Schweiz?

Die Schweiz als Land ist ein wunderschöner Flecken Erde, zu dem wir grösstmögliche Sorge tragen sollten. Die Schweiz als Nation ist dagegen nicht per se ein zu erhaltender Wert: sie muss sich an dem messen lassen, was sie für die Menschen und die Geselllschaft zu erbringen mag.

Die aktuelle Wahlpropaganda verordnet den Bürgerinnen und Bürgern Vater- oder Mutterlandsliebe in hohen Dosen. Was da nicht alles für eine leicht mystisch überhöhte Nation und den mit ihr offenbar verbundenen Werten getan wird. Teils wirkt es erheiternd unbeholfen, teilweise beschleicht mich aber auch ein ungutes Gefühl. Die Vehemenz, mit der der Begriff Schweiz als automatisch gut und über Kritik erhaben dargestellt wird, hat etwas dogmatisches an sich.

Wohlverstanden: Ich bin sehr glücklich, in diesem Land und dieser Gesellschaft leben und arbeiten zu dürfen. Ich möchte keinesfalls auf die vielfältige und eindrückliche Landschaft verzichten wollen. Und ich habe auch die sehr hohe Lebensqualität schätzen gelernt. Vielleicht ist es mir gerade deshalb nicht genug, mich für meine Anliegen einfach auf die Nation Schweiz zu berufen. Ich sehe vielmehr die Menschen, die sich hier und jetzt an der Gestaltung unseres Zusammenlebens und der weiteren Entwicklung unseres Landes beteiligen (oder zumindest sollten). Ihnen muss meiner Meinung nach unser Interesse gelten, und nicht einem abstrakten Begriff.

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